Einleitung


Wolken sind bedeutende Teile jedes Landschaftsbildes. Sie können sich ständig verändernd die ganze Atmosphäre unendlich vielfältig bis in große Höhen ausfüllen. Sie mögen wie ein großes Tuch flach über uns liegen, dunkel drohend nahe der Erdoberfläche oder luftig leicht und seiden glänzend in großen Höhen. Sie können aber auch hoch aufschießen, von der Erdoberfläche bis in über 10 km Höhe, in den Tropen gar bis 16 km, und so am Boden verdunstendes Wasser als Wasserdampf bis zur Tropopause tragen. Solche gewaltigen Wolkentürme gehören mit zum schönsten, was ein Landschaftsbetrachter erleben kann.

Um zu verstehen, was eine Wolke ist und wie sie entsteht, muss man wissen, dass das Gasgemisch Luft, das die Erde umgibt und das wir alle als Lebenselixier einatmen, nicht nur aus Stickstoff und Sauerstoff (plus einigen Spurengase) besteht, sondern auch Wasserdampf, die gasförmige Phase des Wassers, enthält. Sein Anteil am gesamten Gasgemisch ist räumlich und zeitlich sehr variabel, kann aber bis zu 4 % (z. B. bei einer Lufttemperatur von 30 °C und Sättigung) betragen.

Wenn Luft unter niedrigeren Druck gerät (z. B. wenn ein Luftpaket aufsteigt) und sich dadurch abkühlt oder wenn die Abkühlung auf andere Weise zu Stande kommt, dann erreicht der Wasserdampf u. U. seinen Sättigungswert, und es kann zur Kondensation kommen. Es entstehen winzige Wassertröpfchen oder Eisteilchen (abhängig von der Temperatur), die dann (wieder abhängig von den speziellen Bedingungen) wachsen und/oder zusammenwachsen, so dass man sie sehen kann. Eine große Ansammlung von ihnen in der Atmosphäre nennt man eine Wolke. Wassertröpfchen oder Eiskristalle, die so klein sind, dass sie in der Luft in Schwebe gehalten werden, nennt man Wolkenteilchen. Sind sie so groß (> 100 μm), dass sie eine nennenswerte Fallgeschwindigkeit erreichen, spricht man von Niederschlagsteilchen. Dieser hier kurz angedeutete Prozess von der Kondensation bis zur Wolke und zum Niederschlag ist recht kompliziert und Gegenstand der ,Wolkenphysik‘ (auch ,Mikrophysik der Wolken‘), einem Teilgebiet der Meteorologie.

Vertikalbewegungen der Luft bedeuten so Aufsteigen mit Abkühlung, eventuell Kondensation und Wolkenbildung oder Absinken mit Erwärmung, Verdunsten vorhandener Wolkenteilchen und Wolkenauflösung. Bei der komplexen Dynamik der Atmosphäre gibt es in ihr immer und überall teils heftige Bewegung in alle Richtungen, wobei die vertikale nicht ausgespart ist. Es gibt mannigfaltige Ursachen und Formen der Vertikalbewegung in allen Größenskalen: gleichmäßig aufsteigende Luft über hunderte von Kilometern bis herab zu den kleinsten Wirbeln. Hinzu kommen andere Ursachen der Abkühlung und Erwärmung der Luft (z. B. durch Strahlung und Advektion). Sieht man dieses komplizierte thermodynamische und hydrodynamische Spiel vor sich, dann versteht man die riesige Mannigfaltigkeit der Wolken und des Himmelsbildes und ihre starke ständige Veränderung.

Der Leser wird verstehen, dass es hier nicht möglich ist, die Grundlagen der Meteorologie, d. i. der Physik der Atmosphäre, also der oben erwähnten Thermo- und Hydrodynamik darzustellen. Der Autor muss diese hier voraussetzen. Hier geht es darum, die Vielfalt der Wolken und des Himmelsbildes an Hand von vielen Photographien zu zeigen und auch zu erklären. Letzteres erfolgt in den Legenden zu den einzelnen Bildern. Der Leser, der gerne Wolken beobachtet, kann sich daran erfreuen. Derjenige, der noch etwas in die Wolkenbeobachtung hineinwachsen möchte, möge Bilder und Legenden als Hilfsmittel auffassen, um Wolken richtig sehen zu lernen.

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