zu Kapitel 1


2. Die phänomenologische Wolkenklassifikation


Im Rahmen der räumlichen Beobachtung des Wolkenbildes sollte man sich zunächst klar darüber werden, in welcher Höhe über der Erdoberfläche sich die einzelnen Wolken oder Wolkenfelder befinden. Dabei gibt es die in Tabelle 1 gezeigte grobe Einteilung in drei Stockwerke, die sich gegenseitig etwas überlappen und deren Grenzen mit der geographischen Breite variieren. Diese Unterscheidung und die daran geknüpfte Definition der Wolkengattungen (s. u.) und ihre Einordnung in diese Stockwerke stößt natürlich im Hochgebirge auf erhebliche Schwierigkeiten.


Stockwerk

Wolken

Höhe in km



Polargebiete

Mittlere Breiten

Tropen

oberes

hohe Wolken

3 - 8

5 - 13

6 - 18

mittleres

mittelhohe Wolken

2 - 4

2 - 7

2 - 8

unteres

tiefe Wolken

0 - 2

0 - 2

0 - 2

Tabelle 1: Definition der Wolken-Stockwerke. Höhe über der Erdoberfläche


Dann unterscheidet man 10 Wolkengattungen (lat. genera), die sich gegenseitig ausschließen, sehr verschieden aussehen und spezifische Zuordnungen zu den einzelnen Stockwerken besitzen. Innerhalb der Gattungen klassifiziert man nach Arten (lat. species) entsprechend Gestalt und interner Struktur der Wolken. und dann weiter nach Unterarten (lat. varietates) entsprechend der Anordnung der makroskopischen Elemente und dem Grad der Durchsichtigkeit. Oft ist es dann noch notwendig, zusätzliche Erscheinungsformen (Sonderformen und Begleitwolken) anzugeben.

Außerdem weist die internationale Wolkenklassifikation noch Mutterwolken aus. Damit hat es folgende Bewandtnis: Viele Wolken bilden sich aus dem wolkenfreien Zustand in einem bestimmten Stockwerk in einer charakteristischen Form, so dass man sie einer bestimmten Gattung zuordnen kann. Eine Wolke einer Gattung kann aber auch aus einer Wolke einer anderen Gattung hervorgehen, wobei dann die ursprüngliche Wolke Mutterwolke genannt wird. Zum Beispiel wächst eine kleinere Cumulus-Wolke zu einem Cumulonimbus. Diesen nennt man dann Cumulonimbus cumulogenitus. Man kann sich als ein anderes Beispiel auch vorstellen, dass sich eine Altocumulus-Schicht zu einem Altostratus verdichtet, den man dann als Altostratus altocumulogenitus klassifiziert. Der Altocumulus ist dabei die Mutterwolke.

Die Namen der Wolkengattungen, Arten, Unterarten und Sonderformen und Begleitwolken sind alle lateinisch. Im Folgenden wird ihre Bedeutung erklärt, nicht nur die einfache Übersetzung aus dem Lateinischen (z. B. uncinus = hakenförmig), sondern auch, was dies bei der Wolkenbeobachtung bedeutet. Das gesamte Klassifikationsschema ist in Tabelle 2 zusammengefasst.


a) Definition der Wolkengattungen.

Hier werden nun die 10 Wolkengattungen näher erklärt. Jede hat einen Namen, eine Bezeichnung, und diesen kann man auch abkürzen (z. B. Cirrus, abgekürzt Ci). Wichtig ist die Zuordnung zu den drei Wolkenstockwerken (s. Tabelle 1), dem oberen, mittleren oder unteren. Einige Gattungen treten in nur einem Stockwerk auf, diese Zugehörigkeit ist Teil ihrer Identifikation. So gibt es Cirrus, Cirrocumulus und Cirrostratus nur im oberen, Altocumulus nur im mittleren und Stratus und Stratocumulus nur im unteren Stockwerk. Die übrigen vier Gattungen sind Stockwerk-übergreifend definiert: Cumulus und Cumulonimbus haben in der Regel ihre Basis im unteren Stockwerk und ragen häufig ins mittlere und bei sehr intensiver Entwicklung bis ins obere Stockwerk. Nimbostratus, die Schichtwolke, aus der Regen oder Schnee fällt, ist zentriert im mittleren, erstreckt sich aber häufig sowohl ins obere als auch ins untere Stockwerk. Altostratus ist in erster Linie eine Wolke des mittleren Stockwerks, aber ragt auch oft ins obere hinein.

Cirrus (Ci) o; (lat. cirrus = Haarlocke, Franse); isolierte, meist seidig schimmernde, oft faserige Eiswolken verschiedenster Formen in großer Höhe.

Cirrocumulus (Cc) o; (lat. cirrus = Franse, cumulus = Haufen); Felder von kleinen Cumuluswolken im oberen Stockwerk. Die Breite der einzelnen Wolkenbällchen liegt meist in einem Sichtwinkel von weniger als 1°. Cc kommt auch in Linsen oder mandelförmigen Bänken vor, die häufig sehr lang gestreckt sind und gewöhnlich scharf ausgeprägte Umrisse haben.

Cirrostratus (Cs) o; (lat. stratus = geschichtet); Schichtwolken im oberen Stockwerk. Diese können glatt und strukturlos sein (Wolkenart nebulosus), aber auch faserig aussehen (Wolkenart fibratus).

Altocumulus (Ac) m; (lat. altus = hoch); Cumuluswolken oder kleinere Felder, Ballen, Walzen im mittleren Stockwerk.

Altostratus (As) m, o; Schichtwolken vor allem im mittleren Stockwerk, aber oft auch ins obere hineinreichend.

Nimbostratus (As) m, o, u; (lat. nimbus = Wolke, Platzregen); Schichtwolken, aus der Regen oder Schnee fällt, vor allem im mittleren Stockwerk, aber auch ins obere und untere ragend.

Stratocumulus (Sc) u; Schichtwolken im unteren Stockwerk mit konvektiv bedingter, von Ort zu Ort unterschiedlicher Dicke oder Felder von flachen Walzen und Ballen.

Stratus (St) u; (lat. geschichtet, geebnet, geglättet); horizontal sehr homogene Schichtwolken im unteren Stockwerk; aus ihnen kann Niesel und Schneegriesel fallen.

Cumulus (Cu) u, m, o; (lat. Haufen); Haufenwolken mit teils beachtlicher Vertikalerstreckung. Sie besitzen ihre Basis im unteren Stockwerk, können aber bis ins mittlere und obere ragen.

Cumulonimbus (Cb) u, m, o; Schauer und/oder Gewitterwolken.

Wichtig ist, wie man im Einzelfall Cu von Cb unterscheidet: Hier gilt nach dem Internationalen Wolkenatlas:

Die betreffende Wolke sollte so lange Cumulus genannt werden, wie die emporschießenden oberen Teile überall scharf (gegen den Himmel und andere Wolken) abgegrenzt sind und keine faserige und streifige Struktur (als Zeichen für vorhandene Eisteilchen, die für den Niederschlagsprozess eine wichtige Rolle spielen) erkennbar ist. Umgekehrt sollte die Wolke erst dann Cumulonimbus genannt werden, wenn wenigstens bei einem Teil des oberen Abschnitts die Umrisse an Schärfe verlieren oder die Oberfläche faserige oder streifige Struktur aufweist. Ist es nicht möglich, auf Grund sonstiger Anhaltspunkte zu entscheiden, ob eine Wolke Cu oder Cb genannt werden soll, so wird die Bezeichnung Cu verwendet, wenn nicht Blitz, Donner oder Hagel auftreten, jedoch Cb, wenn diese Erscheinungen beobachtet werden. Siehe auch die Erklärungen zu den Wolkenarten calvus und capillatus.

Ci, Cc und Cs besteht in der Regel aus Eiskristallen, Ac überwiegend aus Wassertröpfchen, As aus Wassertröpfchen und Eiskristallen, aber auch Niederschlagsteilchen (Regentropfen und Schneeflocken). Im Ns gibt es feste und flüssige Wolken- und Niederschlagsteilchen. St besteht gewöhnlich aus kleinen Wassertröpfchen, bei niedrigen Temperaturen auch kleinen Eisteilchen. In Sc und Cu gibt es hauptsächlich Wassertröpfchen. Cb kann die ganze Palette der möglichen Wolken- und Niederschlagsteilchen enthalten.


b) Definition der Wolkenarten

Hier werden die Wolkenarten erklärt, ihre Namen, deren Abkürzung und bei welchen Wolkengattungen sie vorkommen.

calvus (cal) Cb; (lat. kahlköpfig); bei dem betreffenden Cb sind noch keine cirrus-artigen Teile zu erkennen, allerdings bilden die emporschießenden Teile des Cb meist eine weißliche Masse mit unscharfen Obergrenzen und mit etwa vertikal verlaufender Streifung, was auf Eisteilchen in der Wolke schließen lässt.

capillatus (cap) Cb; (lat. behaart); bei diesem Cb treten ausgeprägte cirrus-artige Gebilde (z. B. in Form eines Ambosses) von deutlich faseriger und/oder streifiger Struktur auf.

castellanus (cas) Ci, Cc, Ac, Sc; (lat. zinnenförmig); Die Quellungen besitzen die Form von Türmchen; die gesamte Anordnung ähnelt den Zinnen eines Schlosses.

congestus (con) Cu; (lat. Anhäufung, Haufen, Masse); kräftig aufgequollene Cu-Wolken, die oberen Teile ähneln oft einem Blumenkohl.

fibratus (fib) Ci, Cs; (lat. fibra = Faser); die einzelnen Wolkenteile bestehen aus langen, teils gebogenen oder gekrümmten Fasern.

floccus (flo) Ci, Cc, Ac; (lat. Flocke); jede Einzelwolke sieht aus wie ein Wattebausch, dessen unterer Teil mehr oder weniger ausgefranst ist.

fractus (fra) St, Cu; (lat. zerrissen); Wolken in Form unregelmäßiger Fetzen.

humilis (hum) Cu; (lat. niedrig, klein, flach); Cu-Wolken von nur geringer vertikaler Ausdehnung.

lenticularis (len) Cc, Ac, Sc; (lat. linsenförmig); lang gestreckte linsenförmige Wolken mit sehr scharfen Umrissen.

mediocris (med) Cu; (lat. von mittlerer Größe); Cu-Wolken von nur mäßiger vertikaler Ausdehnung mit nur kleinen Quellformen.

nebulosus (neb) Cs, St; (lat. nebelig, trübe); an diesen Wolken sind keine Einzelheiten (Struktur, Umrisse) erkennbar.

spissatus (spi) Ci; (lat. verdichtet); optisch sehr dichte (dicke) Cirren.

stratiformis (str) Cc, Ac, Sc; (lat. flach); Wolken, die sich in ausgedehnten horizontalen Feldern oder Schichten erstrecken.

uncinus (unc) Ci; (lat. Haken); hakenförmig. Diese Wolkenart kommt nur bei der Gattung Ci vor und zeigt den Einfluss von Windscherungen. So gehören zu unc auch komma-förmige Wolken und Büschel mit Kopf und nach hinten abgeknickten Fasern.


c) Definition der Wolkenunterarten

Hier werden die Wolkenunterarten erklärt, ihre Namen, deren Abkürzung und bei welchen Wolkengattungen sie vorkommen.

duplicatus (du) Ci, Cs, Ac, As, Sc; (lat. doppelt); es gibt zwei oder mehrere dicht übereinander angeordnete Wolkenfelder (-flecken, -schichten) im selben Stockwerk.

intortus (in) Ci; (lat. verflochten); Ci, dessen Fäden unregelmäßig gekrümmt und häufig scheinbar regellos miteinander verflochten sind.

lacunosus (la) Cc, Ac, Sc; (lat. lückenhaft, mit Vertiefungen oder Löchern versehen); die meist dünnen Wolken haben mehr oder weniger regelmäßig verteilte runde Löcher, sie ähneln oft einem Netz oder Honigwaben.

opacus (op) Ac, As, Sc, St; (lat. beschattet, beschattend, dicht, dunkel); Sonne oder Mond sind durch diese Wolken nicht erkennbar.

perlucidus (pe) Ac, Sc; (lat. durchsichtig); es gibt wolkenlose Zwischenräume, durch die Sonne oder Mond ganz klar zu sehen sind.

radiatus (ra) Ci, Ac, As, Sc, Cu; (lat. strahlend, strahlenförmig); parallele Wolkenbänder oder -streifen scheinen in einem oder zwei Punkten am Himmel zusammenzulaufen.

translucidus (tr) Ac, As, Sc, St; (lat. durchsichtig, durchscheinend); der Ort von Sonne oder Mond ist durch die Wolken (nicht durch Löcher wie bei der Unterart perlucidus) erkennbar.

undulatus (un) Cc, Cs, Ac, As, Sc, St; (lat. unda = Welle); wellenförmig; man erkennt ein oder mehrere Wellensysteme.

vertebratus (ve) Ci; (lat. vertebra = Gelenk, Wirbel); skelettartig, vielfach einer Wirbelsäule mit Rippen ähnelnd.


d) Definition der Sonderformen

Hier werden die Sonderformen erklärt, ihre Namen, deren Abkürzung und bei welchen Wolkengattungen sie vorkommen.

arcus (arc) Cu, Cb; (lat. Bogen); Wolkenwalze (Böenwalze), die bei großer horizontaler Ausdehnung perspektivisch wie ein Bogen aussieht.

incus (inc) Cb; (lat. Amboss); eine einem Amboss ähnelnde große Ci-Wolke kann den oberen Teil eines Cb bilden.

mamma (mam) Ci, Cc, Ac, As, Sc, Cb; (lat. Brust, Euter); diese Beutel hängen unten aus der Wolke heraus bei 'negativer Konvektion.

praecipitatio (pra) As, Ns, Sc, St, Cu, Cb; (lat. Fall, Sturz); Niederschlag, der aus der Wolke fällt und den Boden erreicht.

tuba (tub) Cu, Cb; (lat. Trompete, Röhre); vertikale aus Cu oder Cb herauswachsende Wolkensäule oder Wirbelröhre (z. B. eine Wasserhose oder ein Tornado).

virga (vir) Cc, Ac, As, Ns, Sc, Cu, Cb; (lat. Rute, Zweig, Streifen am Himmel); Fallstreifen; Niederschlag, der den Erdboden nicht erreicht.


e) Definition der Begleitwolken

Hier werden die Begleitwolken erklärt, ihre Namen, deren Abkürzung und bei welchen Wolkengattungen sie vorkommen.

pileus (pil) Cu, Cb; (lat. Haube); Eiswolke in Form einer am oberen Rand gerundeten Haube über dem Wolkengipfel von Cu und Cb.

velum (vel) Cu, Cb; (lat. Segel, Hülle, Vorhang, Schleier); eine Begleitwolke in Schleierform von großer horizontaler Erstreckung unmittelbar oberhalb oder am Oberteil von Cu und Cb, von denen sie oft durchstoßen wird.

pannus (pan) As, Ns, Cu, Cb; (lat. Fetzen); zerfetzte Wolkenteile.


Wolken-Gattung

Wolken-

Arten

Wolken-

Unterarten

Sonderformen

Begleitwolken

Mutterwolken

Cirrus (Ci)

fib, unc, spi, cas, flo

in, ra, ve, du

mam

Cc, Ac, Cb

Cirrocumulus (Cc)

str, len, cas, flo

un, la

vir, mam

-

Cirrostratus (Cs)

fib, neb

du, un

-

Cc, Cb

Altocumulus (Ac)

str, len, cas, flo

tr, pe, op, du, un, ra, la

vir, mam

Cu, Cb

Altostratus (As)

-

tr, op, du, un, ra

vir, pra, pan, mam

Ac, Cb

Nimbostratus (Ns)

-

-

pra, vir, pan

Cu, Cb

Stratocumulus (Sc)

str, len, cas

tr, pe, op, du, un, ra, la

mam, vir, pra

As, Ns, Cu, Cb

Stratus (St)

neb, fra

op, tr, un

pra

Ns, Cu, Cb

Cumulus (Cu)

hum, med, con, fra

ra

pil, vel, vir, pra, arc, pan, tub

Ac, Sc

Cumulonimbus (Cb)

cal, cap

-

pra, vir, pan, inc, mam, pil, vel, arc, tub

Ac, As, Ns, Sc, Cu

Tabelle 2: Wolkengattungen und alle bei ihnen auftretenden Wolkenarten, Wolkenunterarten, Sonderformen,
Begleitwolken und Mutterwolken, aus denen sie entstehen können. Alle Abkürzungen sind im Text erklärt.
Arten, Unterarten, Sonderformen und Begleitwolken sind etwa in der Reihenfolge ihrer abnehmenden Häufigkeit
aufgeführt, Mutterwolken in derselben Reihenfolge wie die Gattungen. ( Nach: "Internationaler Wolkenatlas")
Klick hier, um die Tabelle beim Betrachten der Wolkenbilder im separaten Fenster zu führen


Diese kurze Einführung in die Phänomenologie der Wolken möge hier genügen und mit dem Hinweis auf den im Netz verfügbaren großen WMO-Wolkenatlas abgeschlossen werden.